Was kann Literatur, was andere Texte nicht leisten? Für Dagmar Leupold liegt die Stärke von literarischen Texten darin, etwas erfahrbar zu machen. In ihrem eigenen Schreiben geht es um Widersprüche, zwischenmenschliche Beziehungen und darum, wie sich Lebensgeschichten in Geschichte einschreiben. Im Interview spricht die Münchner Autorin über die Unzuverlässigkeit von Erinnerung und die Kraft der Vorstellung.
Dagmar Leupold erklärt, warum sie mehr noch Leserin als Autorin ist und weshalb sie sich mit Kommentaren zum Zeitgeschehen in aktuellen Diskursen beteiligt – denn Hoffnungslosigkeit dient ihrer Meinung nach keinem.
Folge 17 der Interviewreihe #AtelierMonaco-Szene* im Online-Magazin MON Mag der Monacensia.
Dagmar Leupold, geboren 1955 in Niederlahnstein, lebt als Autorin und Übersetzerin in München. Ihre Romane, Erzählungen, Gedichte und Essays sind vielfach prämiert. 2023 erhielt sie den Literaturpreis der Stadt München für ihr herausragendes literarisches Gesamtwerk. 2025 erschien mit «Muttermale» ihr jüngster Roman im Salzburger Verlag Jung und Jung. Dagmar Leupold gibt regelmäßig Kurse für literarisches Schreiben und hat von 2004 bis 2021 im Studio Literatur und Theater der Universität Tübingen unterrichtet und dieses auch geleitet. Von 2001 bis 2012 war sie geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Literaturfonds. Gemeinsam mit dem Autor Norbert Niemann hat sie 2023 den Poetik Salon ins Leben gerufen, der zweimal jährlich in der Monacensia stattfindet.

Dagmar Leupold über das Oxymoron als Lebensthema und die Anfänge ihres Schreibens
Die Haptik von Worten und die eigene Stimme
Lass uns einen Blick auf die Anfänge deines Schreibens Ende der 1980er-Jahre werfen: Fast zeitgleich mit der Publikation deines ersten Gedichtbandes ist deine erste Übersetzung vom Italienischen ins Deutsche erschienen. Haben sich dein Schreiben und Übersetzen gegenseitig beeinflusst?
Ja, das Übersetzen war sicher katalytisch. Ich habe zwar ab der Pubertät geschrieben, aber das ist alles zu Recht in der Schublade geblieben. Als ich nach Italien gezogen bin, habe ich mir – auch mit einem gewissen Wagemut, den ich heute gerne hätte – das Übersetzen recht schnell zugetraut. Ich konnte kaum ein Wort Italienisch, habe einen Crashkurs gemacht und es tatsächlich sehr schnell gelernt. Nachdem ich jedoch überwiegend geschrieben und immer weniger übersetzt habe, habe ich auch gemerkt, dass ich nicht die gute Übersetzerin sein kann, die ich sein wollte. Ich habe meinem eigenen Anspruch nicht genügt.
Und inwiefern hat das Übersetzen als Katalysator fürs Schreiben gewirkt?
Dieses sehr genaue Befassen mit der Sprache – Wort für Wort, mit der Rhythmik – ist in meiner Vorstellung fast haptisch: Ich drehe und wende die Worte, gucke sie mir von allen Seiten an. Dieses Verfahren verfolge ich letztlich auch beim eigenen Schreiben. Aber das Übersetzen hat mir auch den Unterschied gezeigt zwischen meiner und der fremden Stimme. Ich habe einen Begriff bekommen von meiner eigenen Stimme.
Noch einmal zu deiner Biografie: Während du Anfang der 1990er-Jahre schon deine ersten Romane veröffentlicht hast, hast du parallel promoviert.
Und Kinder gekriegt.
War eine akademische Laufbahn für dich denkbar, oder hat dich vor allem das Thema deiner Doktorarbeit gereizt?
Beides. Ich habe über das Oxymoron geschrieben und später gemerkt, dass das mein Lebensthema ist: Zustände, die sich eigentlich gegenseitig ausschließen, trotzdem gleichzeitig zu erleben. Man könnte auch einfach sagen: Widersprüche. Tatsächlich stand es auf der Kippe, welche Richtung ich einschlage, weil ich nach meiner Rückkehr aus den USA, wo ich in Comparative Literature promoviert habe, ein Habil-Angebot bekommen habe.
Hat sich die akademische Beschäftigung mit Literatur auf dein eigenes Schreiben ausgewirkt?
Ich habe es jedenfalls nie als störend empfunden. Ich war immer sehr froh – zumal ich eben auch über dreißig Jahre Literaturlehrerin war –, mindestens ein analytisches Handwerkzeug zu haben. Das ist vielleicht in der Produktion nicht so eins zu eins umsetzbar, aber trotzdem hat es sich gegenseitig eher befruchtet als behindert. Trotzdem muss man den eigenen Zugang zum Schreiben finden – und auch zulassen, dass es einen anarchischen, unauflösbaren Rest gibt.

Lehren von literarischem Schreiben und Wirken für die zeitgenössische Literatur
Kurse im literarischen Schreiben gibst du nach wie vor, hier in München beispielsweise an der MVHS oder im Literaturhaus. Von 2004 bis 2021 hast du zudem im Studio Literatur und Theater der Universität Tübingen unterrichtet, dessen Leiterin du auch warst.
Ja, das war eine tolle Stelle. Ich hatte zu dem Zeitpunkt schon drei Kinder und war seit ein paar Jahren alleinerziehend. Die 1990er waren noch goldene Jahre, in denen Buchauflagen von 10.000 normal waren. Um die Nullerjahre herum habe ich gemerkt, dass das in eine andere Richtung geht, die sich aktuell in dramatischer Weise bestätigt. Als mich damals der vorherige Leiter Uwe Kolbe fragte, ob er mich als mögliche Nachfolgerin nennen dürfe, hatte ich zunächst nicht vor, mich zu bewerben. Letztlich habe ich mich dazu entschieden und die Stelle bekommen. Trotz 18 Jahren Pendelns zwischen München und Tübingen hat sich das als Segen in Sachen Lebenspraxis und Lebensfinanzierbarkeit erwiesen.
Was hat die Leitungsstelle neben dem Unterrichten beinhaltet?
Ich habe mit einem Wahnsinnsdeputat von zwölf Wochensemesterstunden überwiegend unterrichtet. Aber ich habe auch sehr viele Initiativen angeleiert – beispielsweise mit den beiden Theatern in Tübingen –, eine Lesereihe mit einer alteingesessenen Buchhandlung etabliert und eine Seminarreihe begründet, zu der ich Autorinnen und Autoren eingeladen habe. Zu dem entsprechenden Werk haben wir das ganze Semester gelesen. Das war mein zweiter Schwerpunkt: Schreiben ohne Lesen ist undenkbar. Deswegen habe ich das Seminar zum Lesen verdonnert.
Zusätzlich zu den Literaturveranstaltungen in Tübingen hast du 2013 das forum:autoren beim Literaturfest München kuratiert. Und du warst von 2001 bis 2012 geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Literaturfonds. Siehst du es als Autorin auch als deine Aufgabe, andere Schreibende und literarische Projekte zu fördern und zu ermöglichen?
Ja. Vor allem, wenn man die Gelegenheit dazu hat, als Multiplikatorin irgendwo zu wirken – und sei es in einem ganz kleinen Radius –, dann muss das unbedingt geschehen. Ich werbe auch immer sehr für zeitgenössische Literatur und lese selbst sehr gern. Ich bin eigentlich viel mehr noch Leserin als Autorin.
Elternromane, Lyrik und «Small Talk»
Nicht zuletzt hast du inzwischen knapp zwanzig Bücher veröffentlicht. Gibt es Themen, die dich immer wieder beschäftigen, wie beispielsweise das Oxymoron?
Diese sich eigentlich ausschließenden Zustände, die wir ständig erleben – im Moment als Kollisionen in hoch akuter Form –, sind immer da. Sowohl auf der großen Leinwand als auch in unseren kleinen persönlichen Umwelten. In dem Sinne ist das Oxymoron ein bisschen Leitmotiv. Wenn ich ansonsten mein Werk Revue passieren lasse, sind es die zwischenmenschlichen Beziehungen und die Einbettung von Lebensgeschichten in Geschichte, die mich beschäftigen. Ich glaube, dass Literatur im Unterschied zu wissenschaftlichen oder historiografischen Texten die große Kraft hat, etwas erfahrbar zu machen. Dadurch ist Literatur fast analog zu einer primären Begegnung. Für mich haben literarische Texte eine Welterschließungskraft, die andere Textarten nicht haben.
Aus: Small Talk
KOLLISION (FEBRUAR 2022)
Keine Poller schützen vor diesem Ungetüm
das ins Gedicht kracht wie ein Amok-Truck:
die Gleichzeitigkeit sich eigentlich ausschließender Zustände
Am Morgen danach
(wonach?
–
Wie viel Zeit hast du?
–
Keine.)
freuen wir uns
aufs Frühstück
aufs Einkaufen
aufs Kino
aufs Weintrinken
wie gehabt
bodenlose Balance
mit Coach
und Zertifikat
Hoffnungsschimmer glimmte
noch im Weihnachtssortiment
Jetzt leiht der Winter der Sonne
sein Aschegewand
die halbe Welt hat mitgewebt.
Aus: Dagmar Leupold, Small Talk, Jung und Jung Verlag, Salzburg 2024.
Gibt es Themen, die schon immer da waren, bei denen es aber gedauert hat, bis du darüber schreiben konntest? Ich denke vor allem an die Romane über deine Eltern: «Nach den Kriegen. Roman eines Lebens» und «Muttermale».
Ja, absolut. Die Inkubationszeit ist bei mir sowieso lang. Bei diesen beiden Büchern war klar, dass ich sie nicht vor dem Tod des jeweiligen Elternteils schreibe. Außerdem musste ich mich vor allem bei dem Vaterbuch selbst erst von einer gewissen Naivität befreien. Dieses Schweigen nach dem Krieg war keine bloße Feststellung: Du selbst bastelst mit an dieser Legende und bist als Heranwachsende nicht daran interessiert, irgendwelche Unbill über deine Familie zu bringen. Und ich hatte großen Respekt vor Archiven und Recherche. Das war für mich eine männlich besetzte Domäne.
Die Recherche in Bezug auf das Mutterbuch verlief ganz anders. Mir ist dabei auch klar geworden, dass Frauen vollkommen andere Kriegsbiografien haben. Erstens gibt es wenig Tendenz zum Heroisieren, zweitens sind sie viel weniger sichtbar. Deshalb musste ich methodisch völlig anders vorgehen, was auch zu der Länge des Prozesses beigetragen hat. Der Vorlauf zum Schreiben ist länger als das physische Schreiben selbst.
Aus: Muttermale
Ich stelle dir nach, ich fahnde nach dir, ich nehme dich in Beschlag – und du bringst mich in große Verlegenheit, denn du hast keinen Namen. Mutter. Behausung. Kerker. Verschlusssache. Oberbefehlshaberin. Du bist meine Mitgift, mein ungelöster, mein unlösbarer Fall. Unzählige solcher Fälle hat der Krieg hervorgebracht. Eine Recherche ergäbe, dass du Dorothea heißt. Geheißen hast. Aber eine Nachstellung ist kein Standesamt, sie ist auf dunkle Quellen angewiesen.
Stolz warst du auf deine grünen Augen – nur zwei Prozent aller Menschen haben sie –, und auf die schönen Halbmonde der Fingernägel. Zum Staunen, wie du manchmal die Hände mit gespreizten Fingern auf dem Tisch abgelegt und sie betrachtet hast wie eine eigentlich zu teure Anschaffung. Maniküre war sonntags, die kleinen Gerätschaften, Feile, Schere, Nagelhautschieber, lagen auf einem Tuch wie zur Vorbereitung einer Operation oder einer Messe. Sie hausten in einem Etui aus grünem Leder, vornehm, zum Siezen. Heute ist der Reißverschluss zahnlos, das Metall angelaufen in der Farbe von Brühe. Ich habe das Etui in Verwahrung genommen, als – gar nicht amtliche – Bewacherin des Beschlagnahmten. Seine Lederhaut ist so mürbe, dass sie sich anfühlt wie die eines lebendigen Tierchens, das noch ohne Fell ist. Mit den schönen Händen, die nach dem Schneiden, Feilen, Polieren und Cremen sehr denen ähnelten, die auf der Dose mit der Glycerin-Handcreme (ohne Arme) abgebildet waren, hast du den kleinen eisernen Topf auf den Herd gestellt, darin ein großes Stück Butter: Vorbereitung für Apfelklöße mit Zimt und Zucker und brauner Butter. Das Sonntagsgebet. Der Topf war womöglich einer derjenigen gewesen, die an den Sprossen der Leiterwagen angebunden hingen und laut klapperten, als sie das Frische Haff mit Ziel Pillau im Januar des letzten Kriegsjahres überquerten. Ohne dass er, mitsamt dem Leiterwagen, in einer der tiefen, ins Eis gerissenen Bombenwunden verschwand. Der Topf war ein Held. In der Butter, wenn sie begann sich zu kräuseln und kleine Blasen zu schlagen, von Gelb ins Braun wechselte, trudelten winzige Eisenflocken, feinste Späne, dünnhäutig wie Blattgold oder verkohltes Papier. Die Flucht schmeckte nach Metall. Du hast mir den Rost vermacht.
Aus: Dagmar Leupold: Muttermale, Jung und Jung Verlag, Salzburg 2025.
Trotz der autobiografischen Anteile sind deine Bücher Romane. Du hast einmal gesagt: «Das am stärksten Autobiografische ist die eigene Sprache.»
Viele meiner Romane wurden – auch zu Recht – als autobiografisch gelesen. Das hörte sich aber immer so an, als müsse man nur durchpausen. Aus meiner Sicht ist dieselbe Sprach- und Formarbeit notwendig, um einen Transformationsprozess zu leisten – egal ob es sich um recherchierten Stoff oder um Lebensstoff handelt. Mein ursprünglicher Titel für «Muttermale» war Teil des Zitats aus Goethes «Wilhelm Meisters Lehrjahre», das vorne drinsteht:
Laß mich wenigstens durch die Einbildungskraft teil an deinem vergangenen Leben nehmen! Erzähle mir alles, ich will dir alles erzählen. Wir wollen uns womöglich täuschen und jene für die Liebe verlornen Zeiten wieder zu gewinnen suchen.
Das Zitat macht klar, dass ohne Vorstellungskraft gar nichts geht. Unsere Erinnerung ist ungefähr der größte Wackelkandidat, den man sich vorstellen kann. Außerdem verändert sich unser Blick auf die Vergangenheit mit jeder neuen Gegenwart. Die Vergangenheit ist nicht statisch, sondern hoch dynamisch. Deswegen steht aus meiner Sicht auf dem Buchcover auch zu Recht Roman.
Du schreibst Lyrik und Prosa. Wie entscheidest du, welche Form zu welchem Inhalt passt?
Es gab bei mir eine 25-jährige Unterbrechung mit Lyrik, die mit «Small Talk» endete. Auslöser für den Gedichtband war der Angriffskrieg auf die Ukraine, bei dem ich das Gefühl hatte, mich dazu verhalten zu müssen – aber eben nicht in einem propagandistischen Verständnis oder um die ohnehin schon ultrahoch erhitzte Rhetorik um Superlative zu bereichern. Deswegen habe ich mich für den Small Talk entschieden, der gegen- und beiläufig ist.
Was genau meinst du damit?
Der klassische Small Talk dreht sich um das Wetter, und der meteorologische Wortschatz ist tatsächlich sehr gewaltaffin: Neigung zum Niederschlag, Gewitterfronten usw. Das wollte ich ausnutzen, insofern man sich das überhaupt vornehmen kann. Die Prozesse dabei haben eher Verwandtschaft mit Traumprozessen, die auch einigermaßen fluide sind. Deshalb hätte ich mir nicht vorstellen können, daraus einen Prosatext zu machen. Es hängt also ganz stark davon ab, wozu ich intuitiv in dem Moment einen leichteren Zugang habe. Aber richtig rational durchdringen kann ich das auch nicht.
Selbstpositionierung und Austausch in der Literatur
Neben deinen Romanen und Lyrikbänden veröffentlichst du Essays, Debattentexte, Rezensionen.
Auch wenn das immer sehr anstrengend ist, weil es sich oft um einen Kommentar zum Zeitgeschehen handelt – wie beispielsweise zum Brexit oder zu monströsen Sprachformen in der Politik –, nötigt es mich, mich selbst zu sammeln und mich zu irgendetwas zu verhalten. Deshalb tut es mir sehr leid, dass es die Plattform des BR2 nach dem Wegfall der Sendung «Kulturwelt» mit Niels Beintker und Martina Boette-Sonner so nicht mehr gibt. Umso froher bin ich, dass ab und zu etwas über das Literaturportal Bayern läuft.
Siehst du es als Autorin als deine Aufgabe, dich an aktuellen Diskursen zu beteiligen?
Ja. Deshalb bin ich sehr glücklich, dass die Monacensia uns – meinen langjährigen guten Freund und Gesprächspartner Norbert Niemann und mich – zweimal im Jahr einen Poetik Salon mit tollen Gästen machen lässt. Die Vorbereitung dafür bedeutet für mich intensive Lektüre und mich selbst zu positionieren. Dafür bin ich sehr dankbar.
Seit über 30 Jahren bist du der Münchner Literaturszene und ihren Institutionen verbunden. Was bedeutet dir die Szene hier?
Ich fühle mich in der Münchner Literaturszene sehr beheimatet, ohne habituell bestimmte Orte regelmäßig zu frequentieren. Das hat etwas mit der großen Konkurrenz zu tun, wie Oper, Konzert, Kino. Ein bisschen ist sicherlich auch das Alter ein Grund. Das Lebhafte an der Szene sind die schon deutlich Jüngeren als ich. Ich fühle mich keineswegs ausgeschlossen, es gibt Überschneidungen. Aber es gibt eben auch jeweils andere Welten.
Der Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen ist mir wichtig, um sich auch nicht so schnell entmutigen zu lassen und hilflos zu fühlen, was ich im Moment als riesige Herausforderung empfinde. Unlängst fragte ein Leitartikel von Bernd Ulrich in der Zeit: «Wie halten wir das alles aus?» Er endete damit, dass ich mich vielleicht nicht fragen muss, wie ich das aushalte, sondern wie ich mich bewähren kann. Ich glaube, dass man diese Frage auf allen Niveaus einigermaßen produktiv beantworten kann. Mit Defätismus ist niemandem gedient.
Literatur im Zusammenspiel von Schreiben, Lesen und Austausch
Für Dagmar Leupold liegt die Stärke literarischer Texte darin, etwas erfahrbar zu machen. Schreiben und Lesen gehören dabei untrennbar zusammen. Im genauen Umgang mit Sprache, in der Vorstellung und im Austausch mit anderen entsteht ein Zugang zur Welt, der in Bewegung bleibt.
Literatur wird so zu einem Prozess, der Wahrnehmung schärft und Positionen eröffnet. Sie fordert dazu auf, sich auf Widersprüche, Unsicherheiten und andere Perspektiven einzulassen. Darin liegt ihre Aktualität – und ihre anhaltende Bedeutung für die Gegenwart.

*AtelierMonaco-Szene
Die Reihe „Atelier Monaco-Szene“ erscheint alle zwei Monate im Blog der Münchner Stadtbibliothek. In der ersten Staffel sprechen Katrin Diehl (1-6), in der zweiten Christina Madenach (ab Folge 7) mit Autor*innen über ihre literarischen Tätigkeiten, Netzwerke, eigene Verlage und literarische Lesereihen in München – es entsteht eine Kartografie der #AtelierMonaco-Szene in der Stadt, die Teil der Künstler*innen-Villa der Monacensia ist.
- Volha Hapeyeva: Sprache ist immer politisch – über Poesie, Exil und das Schreiben zwischen Sprachen – 16 (4.03.2026)
- Raphaela Bardutzky: Warum Theater Mut braucht – über Schreiben, Netzwerke und faire Honorare – (21.01.2026) – 15
- Autor und Schauspieler Delschad Numan Khorschid über das Schreiben auf Deutsch und Kurdisch, seine Arbeit am Residenztheater und die Münchner Kunst- und Literaturszene (19.11.2025) – 14
- Lyrikerin Karin Fellner über das Schreiben von Gedichten, Sprachspiel und Münchens Lyrikszene (17.9.2025) – 13
- Pierre Jarawan über Schreiben als Handwerk, den Libanon und die Kunst des Geschichtenerzählens (25.6.2025) – 12
- Jonas Bokelmann: Über Bühnen, den Einfluss von Musik auf Literatur und die Lesereihe werk[statt] (16.4.2025) – 11
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- Lisa Jeschke über Lyrik, Performance und politisches Schreiben (7.2.2024) – 5
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- Annegret Liepold über die «Bayerische Akademie des Schreibens», Schreibprozesse und «Franka» (26.10.2023) – 3
- Christina Madenach über Schreibroutinen, Romanwerkstatt und die freie Literaturszene Münchens (9.8.2023) – 2
- Tristan Marquardt über Lyrik, literarische Netzwerke und Lesereihen in München (14.6.2023) – 1



