Volha Hapeyeva: Sprache ist immer politisch – über Poesie, Exil und das Schreiben zwischen Sprachen | #AtelierMonaco-Szene

Volha Hapeyeva im grünem an einem Tisch mit Mikrofon sitzend.

Warum ist Sprache nie neutral – und was bedeutet es, zwischen Sprachen und Ländern zu leben? Die Lyrikerin und Autorin Volha Hapeyeva über Poesie und Politik, ihr Konzept des Nomadischen und das Schreiben auf Belarussisch, Deutsch und Englisch. Sie erzählt von Kinderliteratur, literarischen Experimenten wie dem «Dominolog» sowie von Schreib-Residencys, Aufenthaltsstipendien und ihrem Leben in München.

Folge 16 der Interviewreihe #AtelierMonaco-Szene* im Online-Magazin MON Mag der Monacensia.

Volha Hapeyeva ist Lyrikerin, Autorin, Übersetzerin und promovierte Linguistin. Im belarussischen Minsk geboren, lebt sie seit 2019 im deutschsprachigen Raum. Sie übersetzt Texte unter anderem aus dem Japanischen, Chinesischen, Norwegischen und Deutschen ins Belarussische. Als Künstlerin arbeitet Volha Hapeyeva mit Objekten und Texten. Ihr literarisches Werk wurde in mehr als 15 Sprachen übersetzt, und sie erhielt dafür zahlreiche Preise und Stipendien. In deutscher Übersetzung liegen zwei Lyrikbände und zwei Romane vor. Seit 2020 schreibt Volha Hapeyeva zudem auf Deutsch. Ihre jüngste Publikation «Wörterbuch einer Nomadin» erscheint im Grazer Literaturverlag Droschl.

Volha Hapeyeva über Archivarbeit, Kinderliteratur und internationale Lesungen

Wir haben uns in der Monacensia getroffen, mit der dich mehrere Projekte verbinden. Unter anderem hast du im Literaturarchiv für die Essayreihe «Literarische Erkundungen in und um die Monacensia» für das Literaturportal Bayern und für das MON Mag recherchiert.

Die Arbeit im Archiv war für mich etwas absolut Neues. Du bekommst dafür weiße Handschuhe und berührst Papiere, die schon berühmte Schriftsteller*innen in Händen hielten. Diese Materialität auf der einen Seite und die Handschrift oder die Motive auf Postkarten auf der anderen Seite bringen die Menschen näher. Die Autor*innen sind nicht nur große Namen der Literatur, sondern werden dadurch menschlich – mit Problemen und Alltagsleben.

Wie bist du bei der Arbeit genau vorgegangen?

Ich wollte mich mit Themen beschäftigen, die mich selbst interessieren und die das Heutige mit dem Historischen verknüpfen. Ich habe beispielsweise einen Essay über Briefmarken geschrieben, denn bei diesen handelt es sich nicht nur um Miniaturkunst, sie sind immer auch ein Spiegel gesellschaftlicher Strukturen. Die Themen habe ich auf ganz unterschiedliche Weise gefunden. Manchmal hatte ich ein Thema geplant, bin aber bei der Recherche auf etwas anderes Spannendes gestoßen. Es ist mir auch passiert, dass ich eine Mappe mit einer Handschrift bekommen habe, die ich überhaupt nicht lesen konnte. Die musste ich dann zurückgeben.

Volha Hapeyeva vor einem Bücherregal in der Monacensia
Volha Hapeyeva in der Monacensia, Januar 2026, © Christina Madenach

Dein Schreiben hängt insgesamt eng mit dem Recherchieren zusammen.

Das stammt wahrscheinlich noch aus der Zeit vor 2019, als ich als Linguistin wissenschaftlich an der Uni tätig war. Die Dissertation und später die Habilitation haben diesen Arbeitsmodus von mir verlangt. Anfangs fand ich es schade, als ich nicht mehr als Linguistin gearbeitet habe. Aber beim Verfassen von essayistischen Texten habe ich gemerkt, dass ich als Autorin auch poetisch über Sprache oder Linguistik schreiben kann – wie beispielsweise im «Wörterbuch einer Nomadin».

Neben Essays verfasst du vor allem Gedichte, aber auch Romane und Kinderbücher. Wie entscheidest du, in welchem Genre du schreibst?

Das ist ganz unterschiedlich. Wenn es von dem einen zu viel wird, mache ich etwas anderes. Oder wenn ich mich nicht in der Stimmung für eine Form fühle, wende ich mich einer anderen zu. Kinderbücher zu schreiben, bedeutet für mich beispielsweise Leichtigkeit und Freude. Immer wenn sich mein inneres Kind müde oder traurig fühlt, ist es Zeit für ein Kinderbuchprojekt.

Drei deiner Kinderbücher liegen auf Belarussisch vor. Auf Deutsch ist noch keins erschienen.

Hier habe ich keinen Verlag, der diese Bücher veröffentlicht. Deshalb konzentriere ich mich meistens auf Erwachsenenliteratur. Obwohl ich Kinderliteratur für sehr, sehr wichtig halte. Man darf sie nicht unterschätzen. Es ist genauso verantwortungsvoll, für Kinder zu schreiben, wie für Erwachsene. Aber es sind eben – kapitalistisch gesprochen – ganz andere Branchen.

Teilweise erscheinen Lyrik und Prosa in verschiedenen Verlagen. Aber beim Literaturverlag Droschl liegt neben deinen Prosawerken ein Lyrikband von dir vor.

Ja, obwohl es gerade übersetzte Lyrik meist schwer hat. Es war eine wirkliche Überraschung, wie erfolgreich «Trapezherz» für einen Gedichtband war.

Woran lag das?

Ein Grund ist sicher, dass ich Deutsch spreche und als Autorin präsent sein kann. Es ist schwieriger, wenn Autor*innen für Veranstaltungen erst anreisen müssen und Dolmetscher*innen nötig sind. Das ist schade, weil alle davon profitieren würden, wenn mehr internationale Autor*innen auf Lesungen kämen und wir mehr Austausch hätten. Ich empfinde die deutsche Literaturszene als ein bisschen hermetisch.

Mutantengarten
langsamer als andere organe
regeneriert sich das herz
ein volles update
gelingt nie
sagt die gebrauchsanweisung

das heißt
denke ich
alle die drin sind bleiben auch drin

vielleicht verschleißt sich der linke teil eines körpers
jemand verliert sein gesicht
und ein neues wächst nach
sprachen werden sich vermischen
wie jahre und namen

mein mutantengarten
wo wir uns abhanden kamen



hätte ich 1908 gelebt
wäre ich Emmeline Pankhurst gewesen
wäre zu demonstrationen gegangen
und vielleicht hätten sie
in meiner brust etwas gefunden
geformt wie ein tumor –
irgendwie gelb und aus bronze –
und irgendein mann der am nächsten tag
seine zeitung aufschlägt würde denken
sie war am falschen ort
zur falschen zeit

mit naiver hoffnung würde ich als Sonja wiedergeboren
tagelang die romane meines genialen mannes kopieren worte
harmonisch neu arrangieren
und die worte würden mich lieben bemitleiden und denken
sie war am falschen ort
zur falschen zeit
hier und jetzt geboren zu sein
ziehe ich einen rock an oder eine hose
oder manchmal eine freude
aber meistens den gedanken
dass es nicht die zeit ist oder der ort
sondern der mann mit der zeitung der reporter
und der redakteur das mitleid und die worte
die tumore und romane
und die genies
und vielleicht sogar ein feststeckender weinkorken

einmal hast du gefragt
wenn ich die wahl hätte
wo ich gern als wer geboren worden wäre
ich gäbe dir gern die gefällige antwort und
überraschte dich aber nachdenken bringt nichts
man lässt mir keine wahl
ich kann dir die wahrheit sagen

ein chinesischer bauer im zwölften jahrhundert
vieh hütend immer auf der hut vor gefahr
an eine schüssel mit heißen nudeln denkend

anders als du mit deinem new york jahrhundertwende jazz

wahl
ist nie zeit oder ort
sondern etwas viel kleineres
teilbar durch meine existenz
sagen wir z.b. – deine

Volha Hapeyeva: Mutantengarten. Gedichte, übersetzt aus dem Belarussischen von Matthias Göritz, Martina Jakobson und Uljana Wolf, Edition Thanhäuser & Internationales Haus der Autorinnen und Autoren Graz 2020.

Experimentelle Literaturformate und bildende künstlerische Arbeit

Du bist sehr viel auf Festivals und Veranstaltungen unterwegs. Welches Lesungsformat gefällt dir als Autorin am besten?

Für mich ist es am einfachsten, wenn ich allein – nur mit der Moderation – auftrete. Ich hatte super Erfahrungen mit mehreren Leuten auf der Bühne, aber das bedeutet auch mehr Stress. Du weißt nicht, was die anderen sagen, und hast weniger Kontrolle. Bei ein paar experimentelleren Formaten habe ich auch schon mitgemacht.

Wie sahen die aus?

Bei der Eröffnung des Exil-Poesieautomaten mit der Körber-Stiftung im September 2025 gab es beispielsweise vier Spots. An einem dieser Spots präsentierte ich gemeinsam mit meiner Moderatorin Sonja Wimschulte von der Körber-Stiftung den Automaten und las einen Text vor. Alle zehn Minuten kam eine neue Gruppe. Das hat toll funktioniert, und die Zeit ist verflogen. Es wurde auch nicht langweilig, weil es sich bei jeder Gruppe ein bisschen anders entwickelt hat.

Ein weiteres besonderes Projekt, bei dem du mitwirkst, ist der literarische Dialog «Was wir nicht über Vögel wissen».

Wir nennen es inzwischen einen «Dominolog». Im ursprünglichen Projekt habe ich einen Essay über Vögel geschrieben, auf den Andreas Unterweger, der Herausgeber der Zeitschrift manuskripte, reagiert hat. Dann haben wir entschieden weiterzumachen und weitere Schreibende weltweit eingeladen, auch zu reagieren – deshalb Dominolog. Die Texte erscheinen in der Zeitschrift manuskripte, und wir überlegen, eine Anthologie daraus zu machen.

Neben deinem Schreiben bist du auch künstlerisch tätig: Du zeichnest, malst, illustrierst und hast diese Arbeiten auch schon in Ausstellungen gezeigt.

Im Literaturhaus Wien hängt noch bis November 2026 meine aktuelle Ausstellung mit dem Titel «Meine österreichische Literatur». Dafür habe ich mir Aufnahmen oder Audiobücher von für mich wichtigen österreichischen Autor*innen – wie Friederike Mayröcker oder Robert Musil – angehört und währenddessen im Monoprintverfahren «Porträts» von ihnen hergestellt. Dabei handelt es sich nicht um Porträts im klassischen Sinne, sondern beispielsweise um Drucke von Pflanzen. Für die Ausstellung habe ich außerdem Auszüge aus ihren Werken herausgesucht und sie auf Papier gestaltet. Die Porträts und die Textauszüge hängen nicht nebeneinander, sodass die Besucher*innen erraten können, zu welchem Porträt welches Zitat gehört.

Volha Hapeyeva steht seitlich vor einem ihrer Gedichte mit Monotypie im Heine-Haus Hamburg
Volha Hapeyeva vor einem ihrer Gedichte mit Monotypie im Heine-Haus Hamburg, 2024, © privat

Exil und Schreiben zwischen Sprachen

Warum Sprache politisch ist und was das Nomadische bedeutet

Was bedeutet dir Poesie?

Poesie ist eine Art des Denkens. Sie ist meine Religion oder Philosophie oder die Art, wie ich lebe.

Und welche Bedeutung hat Sprache für dich?

In meinem Essay «Die Verteidigung der Poesie in Zeiten dauernden Exils» habe ich geschrieben, dass Sprache nie neutral, sondern immer politisch ist. Deshalb muss man aufmerksam sein, was man sagt. Wenn es beispielsweise um feministische Reformen in der Sprache geht, muss man aufpassen, weil manches zwar in einer Sprache passt, in einer anderen aber nicht funktioniert. Während es etwa im Englischen keine Suffixe gibt, die anzeigen, um welches Geschlecht es sich handelt, benutzt man diese im Deutschen, um Frauen in der Sprache sichtbar zu machen.

Du kommst ursprünglich aus Belarus, wohnst seit 2019 im Exil in deutschsprachigen Ländern und hast deinen Lebensmittelpunkt inzwischen in München. Was bedeutet der Begriff Exil für dich?

Exil ist ein so schönes Wort, das aber behördlich keine Legitimität besitzt. Wenn es um meinen Status hier geht, wird deshalb mit zweierlei Maß gemessen: Ich bin keine normale Emigrantin, weil ich nicht in meine Heimat zurückkann, aber ich bin auch keine Asylantin. Abgesehen davon habe ich ein persönliches Problem mit Begriffen wie Exil oder Asyl. Sie definieren dich immer in deiner Beziehung zum Staat. Das finde ich sehr bürokratisch und wenig menschlich. Und weit entfernt vom Poetischen.

Das Konzept des Nomadischen war da meine Rettung. Obwohl das Wort auch nicht unproblematisch ist. Denn du kannst dich als Nomadin nur frei bewegen, wenn du den richtigen Pass hast. Sobald die poetische Ebene auf die Realität stößt, wird es weniger poetisch.

Du bist zweisprachig mit Belarussisch und Russisch aufgewachsen, hast aber nie auf Russisch geschrieben?

Genau. Die Sprache ist in Belarus zwar sehr präsent, aber die gemeinsame Geschichte von Russland und Belarus ist traumatisch. Meine Teenagerzeit fiel gerade in die Zeit der Wiederentdeckung belarussischer Kultur und Literatur. In der fünften Klasse erklärte uns eine Lehrerin, dass Belarussisch unsere Muttersprache ist. Für mich war es keine Frage, in welcher Sprache ich schreibe.

13. oktober


gelbes blumenmuster
auf schwarzem grund
ich inspiziere das foto
und denke
ist das ein stück tapete oder ein vorhang?

wie ein blattloser baum im winter
gibt ein stuhl
in der ecke seine gelenke preis

und der himmel so blau
ein sonniger tag
13. oktober

Agrippina bringt ihrem mann
einen teller mit pilzen. er stirbt
vererbt ihrem sohn Nero den thron

Mahler gibt sein erstes konzert

Margaret Thatcher feiert geburtstag

Greenwich wird hauptmeridian

Laryssa und Nastja verfolgen die sendung
An Diesem Tag In Der Geschichte
bedeutende ereignisse und bedeutende menschen

schau, meine kleine Nastja, du musst schön was lernen
vielleicht erzählen sie dann auch einmal
im fernsehen von dir

Laryssa arbeitet in einem laden, Nastja
studiert medizin

mama wusstest du dass der oberschenkelknochen
im menschlichen körper der größte ist
und wir 100.000 kilometer lange
blutgefäße haben

das ist mein schlaues mädchen lass uns essen

schrapnellwunde am thorax
innere blutungen
schnittwunde am oberschenkel
schädelfraktur

ich lese den traumabericht
und denke:
wie das wohl ist
den längsten knochen mit eigenen augen zu sehen
nicht als anatomische figur im klassenzimmer
sondern im eigenen bein
und noch 20 minuten lang darauf zu hoffen
dass der krankenwagen kommt
um dich zu retten und mama und alle-alle

aber das ist hier das schussfeld
und der krankenwagen wird nicht kommen
und die 100.000 kilometer blutgefäße
sind auf einmal unnötig
weil das was durch sie floss
ausgeflossen ist

mama hier bin ich in den nachrichten
meine größte errungenschaft war wohl
durch mörserbeschuss
zu sterben
und weiter mit bitterem lächeln:

am internationalen tag der katastrophenvorbeugung

ein unbedeutender tag in der geschichte
unbedeutender menschen

Volha Hapeyeva: Mutantengarten. Gedichte, übersetzt aus dem Belarussischen von Matthias Göritz, Martina Jakobson und Uljana Wolf, Edition Thanhäuser & Internationales Haus der Autorinnen und Autoren Graz 2020.

Inzwischen schreibst du auch auf Deutsch. Wie entscheidest du, welche Sprache zu welchem Text passt?

Im Moment schreibe ich mehr auf Deutsch. Aber ich habe ein neues Projekt begonnen, für das ich ein Gedicht parallel auf Belarussisch, Englisch und Deutsch verfasse. Wenn ich in einer Sprache nicht weiterkomme, dann übersetze ich den Text in eine andere und schaue, wie es dort funktioniert. Das Übersetzen hilft mir dabei, die ursprüngliche Sprache neu zu sehen.

Die Idee kam mir, als ich vor ein paar Jahren nach neuen Gedichten auf Belarussisch gefragt wurde, aber keine hatte. Ich wollte deshalb einige meiner deutschen Gedichte auf Belarussisch übersetzen und habe gemerkt, dass das nicht funktioniert und ich sie umschreiben musste. Bei meinem neuen Experiment ändere ich auch die Ursprungsfassung, wenn die Übersetzung nicht funktioniert. Das kann ich machen, weil es sich um meine eigenen Texte handelt.

Anders verhält es sich, wenn du als Übersetzerin für andere Autor*innen tätig bist.

Ja, aber das Vorgehen hat mich auch in dieser Arbeit beeinflusst. Am Anfang habe ich als Linguistin immer sehr streng übersetzt, weil ich zeigen wollte, was wirklich in einem Gedicht steckt. Doch je älter ich werde, desto wichtiger wird mir, dass ein Gedicht auch in der Zielsprache wie ein Gedicht und nicht wie eine Wort-für-Wort-Übersetzung klingt.

Volha Hapeyeva vor einer Wand mit Wörtern stehend, bei der auch Hinweis auf die Lyrik von ihr ist mit Überschrift Belarusische Künstler:innen im Exil
Volha Hapeyeva bei der Ausstellung «manchmal halte ich mich an der luft fest», Galerie im Körnerpark in Berlin, 2024, © Uladzimir Hramovich

Stipendien, Schreib-Residencys und die Rückkehr in die Münchner Literaturszene

Du warst im Writers-in-Exile-Programm des PEN Zentrums Deutschland und Fellow des DAAD in Berlin. Auch in den darauffolgenden Jahren bist du bei einigen Aufenthaltsstipendien und auf Residencys gewesen. Wie wichtig sind solche Programme für dich?

Unglaublich wichtig. Aber ich habe schon Autor*innen getroffen, für die das überhaupt nichts ist und die sich nicht vorstellen können, auch nur einen Monat woanders zu wohnen. Ich hatte erstens keine Wahl. Und zweitens bin ich nach fünf Jahren daran gewöhnt. Das Nomadische besteht für mich darin, dass ich den Ort, an dem ich mich gerade befinde, als mein Zuhause betrachte. Damit ändert sich auch die Einstellung dazu. Aber es ist schon etwas anderes, wenn es einen Ort gibt, an den du zurückkannst. Den habe ich jetzt in München.

Inspirieren dich die Reisen auch beim Schreiben?

Ja. Dieses Jahr habe ich kein langfristiges Stipendium und mache mir schon ein bisschen Sorgen, dass es zu ruhig wird. (Lacht)

Hier kannst du dann in die Münchner Kultur- und Literaturszene eintauchen. Wie empfindest du diese?

Schwer zu sagen. Meine ersten Monate hier habe ich während Corona verbracht, dann war ich viel weg und bin jetzt erst ganz frisch zurückgekehrt. Obwohl München mein Zuhause ist, kenne ich nicht so viel. Ich hoffe, dass sich das dieses Jahr ändern wird.

Sprache als poetischer und politischer Raum

Volha Hapeyevas Schreiben ist untrennbar mit Mehrsprachigkeit und ihrer Erfahrung des Exils verbunden. Sie entwickelt Gedichte und Texte parallel in verschiedenen Sprachen und eröffnet so einen literarischen Denkraum. Übersetzen, Umschreiben und Neuschreiben gehören zu ihrem kreativen Prozess. Sprache wird zum Ausdrucksmittel und zugleich zu einem Raum, in dem sich Zugehörigkeit und Erinnerung einschreiben.

München ist zu einem wichtigen Ort ihres literarischen Arbeitens geworden. Im MON Mag veröffentlicht Volha Hapeyeva zudem Essays und literarische Texte, die ihre Beschäftigung mit Sprache und poetischem Denken fortsetzen.
Volha Hapeyeva im grünem an einem Tisch mit Mikrofon sitzend.
Volha Hapeyeva bei LIX – Literatur im HochX, 2021, © Jean-Marc Turmes

Tipp – Tag der Archive am 7. März 2026

Am Tag der Archive rückt die Monacensia Exil und Diaspora in der Gegenwartsliteratur in den Mittelpunkt. Kurzvorträge und Führungen geben Einblick in Archivdokumente, die die Vielsprachigkeit des literarischen Arbeitens in München sichtbar machen.

Um 14.30 Uhr sprechen Volha Hapeyeva und Rania Mleihi, moderiert von Anke Buettner, über literarische Heimaten und die Bedeutung des Archivs.
Anschließend liest Volha Hapeyeva aus ihrem neuen Buch «Wörterbuch einer Nomadin» (Literaturverlag Droschl).
=> Zum Programm am Tag der Archive


*AtelierMonaco-Szene

Die Reihe „Atelier Monaco-Szene“ erscheint alle zwei Monate im Blog der Münchner Stadtbibliothek. In der ersten Staffel sprechen Katrin Diehl (1-6), in der zweiten Christina Madenach (ab Folge 7) mit Autor*innen über ihre literarischen Tätigkeiten, Netzwerke, eigene Verlage und literarische Lesereihen in München – es entsteht eine Kartografie der #AtelierMonaco-Szene in der Stadt, die Teil der Künstler*innen-Villa der Monacensia ist.

Autor*innen-Info

Profilbild Christina Madenach

Christina Madenach

Christina Madenach, 1988 geboren in Starnberg, ist Autorin und Kulturmanagerin. Sie studierte Neuere Deutsche Literatur, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und Interkulturelle Kommunikation an der Ludwig-Maximilians-Universität München und arbeitete nach ihrem Magisterabschluss an Kulturinstitutionen in Rom, Saigon, Berlin und aktuell in Bayern. Sie kuratiert und moderiert die Lesereihe LIX – Literatur im HochX und leitet die Münchner Romanwerkstatt. Foto © Jean-Marc Turmes

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